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Das Ende von Facebook, oder wieso Princeton falsch liegt und am Ende doch Recht behalten könnte

In den vergangenen Tagen hat eine Meldung der Princeton Universität für Aufsehen gesorgt und die Antwort von Facebook überrascht mit Humor. Der Mitarbeiter Mike Develin sagt nicht mehr als den Weltuntergang voraus – wenn man anhand von Suchanfragen bei google nach dem Begriff „Luft“ die gleiche Methodik des Princeton Modells anlegt und so bis 2060 eben dieser Stoff ausgeht.

Einige Medien berichten, dass sich die Nutzer (vermutlich die von Facebook) auf die Seite des blauen Riesen geschlagen haben und die wissenschaftliche Analyse der Universität in Frage stellen. Dabei haben sich die Studenten mit durchaus komplexen Zusammenhängen auseinander gesetzt, wie die Veröffentlichung der Studie zeigt. Eine Bewertung der Methodik findet hier nicht statt, allerdings soll dieses kleine Intermezzo Anlass für eine grundsätzliche Betrachtung der Funktionalität von Facebook sein.

Sinn des Netzwerks ist ja der Austausch zwischen Menschen. Einfach, simpel und übersichtlich – wobei letzteres durchaus Diskussionsbedarf birgt. Diese Vernetzung beginnt mit dem Schliessen einer Freundschaft und der Zuordnung von Leserechten für den neuen Freund. Ab dem Zeitpunkt nehmen die Freunde am Leben des anderen Teil und bleiben durch Beiträge immer auf dem neuesten Stand. Soweit die Analyse der Grundidee. Jedoch ist Facebook ein Unternehmen, dass seinen Aktionären Dividende auszahlen muss und Dividendenzahlungen nur entstehen, wenn Gewinn erwirtschaftet wird. Im Internet wird Umsatz sehr oft mit Werbung generiert. Folglich bietet Facebook Unternehmen neben der Pinnwand Anzeigeplätze an. Leider sind die Klickraten dieser Plätze unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Werbeplätzen im Internet und so erfand Facebook die Relevanz von Beiträgen im Netzwerk eines jeden Nutzers.

Seitdem wertet Facebook die Interaktionen der Nutzer untereinander permanent aus. Je höher die Rate, desto höher die Wahrscheinlichkeit Beiträge auf der Pinnwand zu sehen. Die Folgen dieser Mechanik sind weitreichend:

  • ein intransparenter Algorithmus entscheidet, welche Beiträge der Nutzer von seinen Freunden sieht, gar welche Freunde er überhaupt sieht
  • diese Mechanik führt zu einer Gleichschaltung der sogenannten Freunde – regelmässige Interaktion unterstellt gleiche Interessen und am Ende ein ziemlich isoliertes, 1D Umfeld

Als nächste Stufe bietet Facebook seinen Nutzern an, die Lautstärke des Beitrags gegen Gebühr zu erhöhen und damit die Verbreitung in seinem persönlichen Netzwerk sicherzustellen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ich lege mir eigenhändig ein Netzwerk zu, pflege es und interagiere mit ihm und am Ende muss ich als Privatperson dafür zahlen, dass all meine Freunde auch meine Nachrichten erhalten. Im Vergleich dazu würde mich der öffentliche #Aufschrei interessieren, falls z.B. gmx morgen nicht jede eMail ausliefert, sondern dies nur sporadisch tut. Stattdessen würde eine Gebühr garantieren, dass alle eMails Ihren Adressaten finden. Wie die Reaktionen auf so eine Art von Service aussehen kann, weiß die Telekom und Post mit De-Mail sehr genau. Bei Facebook hingegen scheint es noch niemanden zu stören.

Für die Nutzer scheint das (noch) zu gelten, allerdings als Unternehmen fragt man sich, wieso man Fans aufwendig gewinnt, um dann die Kontrolle darüber zu verlieren, wer nun wirklich Informationen erhält. Einige werden jetzt reflexartig reagieren und die Preise von Werbetafeln oder -bannern ins Feld führen, für die ein Unternehmen auch zahlen muss. Doch der Vergleich hinkt, schliesslich muss ich Spiegel Online nicht helfen Leser zu finden, um dann dort Werbung zu schalten. Laut Gerüchten wird diese Mechanik zum Nachteil für Unternehmen (vielleicht auch Nutzern) kontinuierlich zurückgedreht, was Facebook letztlich dann zu dem macht, was es nie sein wollte: ein riesiges Werbebanner. Die Idee der Interaktion unter Nutzern mit Nutzern oder Interessensgebieten jeder Art verkümmert hier zum zweiten Rang. Ergänzt man hier die neuesten Entwicklungen bei den Jugendlichen, sind andere Netzwerke für Sie hipper, weil dort Mama und Oma nicht drauf sind. Vielleicht aber wandern Menschen auch ab, weil andere ohne Filter arbeiten. Twitter zeigt z.B. alles, bei google+ kann der Nutzer selber die Lautstärke einstellen, usw.

Ein ziemlich beeindruckendes Video erklärt das Missverhältnis zwischen Netzwerk, Nutzer und Werbetreibenden:

 

So könnte das Ende von Facebook doch eintreten, wenn auch aus leicht anderen Gründen wie von Princeton vorhergesagt bzw berechnet. Es wäre nicht das erste marktbeherrschende Unternehmen, dass am Ende in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Nur auf die sozialen Medien bezogen sind hier die Lokalisten und die SchülerVZ/ StudentenVZ Netzwerke zu nennen, die vor wenigen Jahren noch das Zentrum aller Studenten bedeuteten, bis eben Facebook um die Ecke kam. Letztlich gilt auch hier die fatale Regel: alles andere ist nur ein Klick weit entfernt.